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Liturgie Light: „Er aber muss abnehmen“…

Erstellt am 24.06.2020

Isenheimer Altar, Matthias Grünewald 1515/16

… Achtung! Das sagt niemand als guten Vorsatz mit Blick auf den engen Hosenbund nach dem Lockdown. Es ist eine lateinische Inschrift. Sie steht auf dem Isenheimer Altar, der ist in Colmar. Auf dem berühmten Altarbild ist Johannes der Täufer zu sehen. Sein Zeigefinger weist auf den gekreuzigten Jesus: „Jener muss wachsen, ich aber muss kleiner werden.“ Johannes hat Jesus getauft und nun ist Jesu Werk am Kreuz erfüllt. „Er muss wachsen“ und zwar aus dem Grab. „Er muss wachsen“ und zwar bis in den Himmel.

Johannes der Täufer ist der Cousin von Jesus. Sein Geburtstag sei am 24. Juni, sechs Monate vor Weihnachten. Also: in sechs Monaten ist Heilig Abend, da erinnern wir uns an Jesu Geburt. Johannes ist sein Vorläufer, Wegbereiter, Rufer in der Wüste und eine besonders beeindruckende Figur in der Bibel. Kindern bleiben Details der Geschichte in lebendiger Erinnerung. Er ernährte sich von Heuschrecken (igitt!) und Honig. Die Wüste war seine Heimat. Um Jesus zu taufen kam er in die Jordanebene.

Der mutmaßliche geographische Ort in Israel/Palästina, an dem Jesus getauft wurde, liegt ca. 400 m unter dem Meeresspiegel; ein Tiefpunkt, ein Wendepunkt, ein springender Punkt. „Du bist mein geliebtes Kind!“ tönt es vom Himmel. Gott bekennt sich laut zu seinem Sohn Jesus in aller Öffentlichkeit und ganz offiziell.

Und dann geht es los. Also dann geht Jesus los. Zunächst beruft er Jünger, bricht auf zu den Leuten, bringt ihnen das Wort und die Tat der Liebe und Hingabe zu allen Menschen.

Mit dem 24. Juni ist die Spargel- und Erdbeerzeit vorbei. Die Sonne geht später auf und eher unter. Die Nächte verlängern sich. Johannes hebt den Zeigfinger und weist auf Jesus. So ist es auf dem Isenheimer Altar zu sehen. Das passt doch! Es ist etwas zu Ende – das Frühjahr und die Spargelzeit – und es gibt den Hinweis auf etwas, das kommt – Advent und Weihnachten.

Halbzeit! Der Gedenktag an Johannes den Täufer fällt auf die Mitte des Jahres. Bleibt zu hoffen, dass in der zweiten Jahreshälfte Gutes wächst: weniger Infektionen, mehr Hoffnung, weniger Belastungen, mehr Blüte, weniger Pessimismus, noch mehr Vernunft, weniger Verschwörungstheorien, mehr und Besonnenheit. Bleiben Sie heile und heiter.