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#hoffnungsgedanken - „Sei barmherzig … zu dir selbst“

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“, sagt Jesus im Lukas-Evangelium. In diesem Jahr ist uns dieser Satz als Jahreslosung zugesprochen.

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ Barmherzigkeit gilt es eine der christlichen Grundtugenden. Wer barmherzig ist, sieht die Not anderer und nimmt sich ihrer an. Die Geschichte des Samariters, der den ausgeraubten und schwer verletzten, aber ihm gänzlich unbekannten Mann aufopferungsvoll pflegt, ist das beste Beispiel für diese Form tätiger Nächstenliebe.

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ Barmherzigkeit ist auch eine Eigenschaft Gottes. Oft beten wir ihn mit „barmherziger Gott“ an und versichern uns so der Milde und der Gnade Gottes. Luther hat den Menschen damals den barmherzigen Gott nahegebracht, der nicht rachsüchtig ist und straft, sondern der liebt und vergibt; aus Gnade - um seines geliebten Sohnes willen.

Jesus sagt: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ Wie schnell beziehen wir diesen Satz auf unser Verhältnis zu unseren Mitmenschen. Und wie wenig denken wir dabei an uns selbst?

Gerade in diesen immer noch wunderlichen Zeiten, in denen uns von außen – freilich zum Wohle aller – so viel auferlegt und abverlangt wird, gehen wir oft mit uns selbst eher unbarmherzig um. Es herrscht Ausnahmesituation. Immer noch. Und trotzdem muss alles perfekt sein. Homeschooling oder Kinderbetreuung auf der einen Seite, Homeoffice oder die Arbeit vor Ort (weil es nicht anders geht?) auf der anderen Seite. Wie lange sollen wir diesen Spagat noch aushalten?

Darum möchte ich die Jahreslosung ergänzen, für mich selbst, für dich, für alle, die gerade verzweifeln und nicht wissen, wie sie alles unter einen Hut kriegen sollen.

Jesus sagt: „Sei barmherzig, wie auch dein Vater barmherzig ist. Sei barmherzig – aber auch zu dir selbst!“ Sei zu allererst zu dir selbst barmherzig. Denn wie willst du zu anderen barmherzig sein, wenn du nicht bei dir selbst anfängst?

Nein, es muss nicht alles perfekt sein. Ja, die Wäsche darf auch mal liegen bleiben und muss auf keinen Fall gebügelt werden. Und ja, dann gibt es nächste Woche eben zweimal Pizza, oder dreimal. Aber tu dir keinen Stress an und hab nicht den Anspruch, dich selbst zu übertreffen. Und ja, leg mal die Beine hoch oder geh spazieren. Tu dir was Gutes. Damit du auch morgen noch lachen kannst. Sei barmherzig – zu dir selbst.

Bastian Basse