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#hoffnungsgedanken - „Seid gegrüßt und habt keine Angst!“

„Komm, lass uns gehen“, sagt Maria leise.

Die andere nickt stumm.

Eine Träne blitzt in ihrem Auge.

Hastig packen sie die Fläschchen mit den Salben in ihre Tasche.

Der Riemen kratzt am Hals, als Maria sich die Tasche umhängt.

„Los geht’s!“

„Seid vorsichtig“, flüstert eine Stimme.

Maria dreht sich um und blickt in den dunklen Raum.

Sie kann ihn nicht sehen. Aber sie weiß, wo er liegt.

„Machen wir, Simon, sei unbesorgt.“

„Komm“, sagt die andere, und öffnet vorsichtig die Tür.

Vorsichtig späht sie auf die dunkle Straße und hält den Atem an.

„Die Luft ist rein. Keine Soldaten zu sehen.“

 

Flink zwängt sie sich durch den Türspalt.

Maria tut es ihr gleich.

Da blickt sie sich noch einmal um.

Simons Gesicht erscheint im Türrahmen.

„Geht“, flüstert er, „Gott mit euch.“

 

Die Straße ist menschenleer.

„Gut, dass wir so früh unterwegs sind“, denkt Maria.

Leise hasten sie durch die Straßen,

vorbei an Häusern mit verschlossenen Türen

und dunklen Fenstern.

In der Ferne kräht ein Hahn.

Maria hält inne –

und denkt daran, was Simon ihr erzählt hat.

Die andere dreht sich zu ihr um.

„Was ist?“

Maria schüttelt den Kopf.

„Nichts“ sagt sie, „alles gut.“

 

Ohne gesehen zu werden, gelangen sie aus der Stadt.

 

Bald darauf erreichen sie den Garten.

Dort liegt sein Grab.

Keinen Steinwurf von dem Ort entfernt,

an dem sie ihn getötet haben.

Der Längsbalken steht noch immer kerzengerade da.

„Wie eine Warnung“, durchfährt es Maria.

Sie kann ihren Blick nicht davon losreißen.

Stocksteif steht sie da,

die Bilder vom Freitag vor Augen.

 

Als ihr sein Anblick ins Gedächtnis kommt,

bricht sie zusammen.

Da legt sich ein Arm um ihre Schultern.

„Komm“, sagt die andere. „Es ist bald geschafft.“

 

Gemeinsam gehen sie weiter

und erreichen sein Grab.

Da erschaudern sie.

„Wo ist der Stein?“, ruft Maria aus.

Sie sinkt auf die Knie.

Die andere läuft zum Grab und schaut hinein.

„Es ist leer“, stöhnt sie, „was geht hier vor?“

Erschrocken blickt sie Maria an.

„Ich weiß es nicht“, antwortet sie

und hält sich die Hände vor’s Gesicht.

Die andere kniet sich neben sie.

Sie zittern.

 

„Seid gegrüßt“, hören sie da seine Stimme,

„und habt keine Angst.“

In dem Moment geht die Sonne auf.

Bastian Basse